St. Georgsbrunnen, Friedberg

Restaurierungs- und Rohbauarbeiten

Die Reichsburg Friedberg, in der gleichnamigen hessischen Stadt im Wetteraukreis ,ist einer der größten Burgkomplexe Deutschlands. Hier findet sich in zentraler Lage, eine barocke Brunnenanlage, die vor allem durch ihre aufwendige Gestaltung in rotem Mainsandstein besticht. Diese wurde vom Sommer 2018 bis ins Frühjahr 2019 hinein zum Gegenstand umfassender Restaurierungs- und Rohbauarbeiten.

In der Mitte des St. Georgbrunnens ist die namensstiftende Figur des Heiligen Georg (Schutzpatron des Ritterstandes) im Akt des Drachentötens zu sehen. Sie, wie auch die anderen Bildgestaltungselemente am Brunnen, knüpft an die Geschichte des umgebenden Burgkomplexes und die Tradition der deutschen Ritterorden an. So verweisen die Wappen an den Brunnenwänden und am Sockel der Figur auf maßgebliche, mittelalterliche Herrscherhäuser der weiteren Region und binden diese damit in ein künstlerisches Gesamtnarrativ ein. Trotz der inhaltlichen Bezüge auf mittelalterliche Geschichte weist der St. Georgsbrunnen eine klar barocke Formensprache auf. Mit dem symmetrischen Becken, aus abwechselnd nach innen und außen gewölbten Einzelelementen, strahlt er spielerische Beweglichkeit aus. Ursprünglich wurde der Brunnen 1738 errichtet. Die originale Sandsteinfigur des Heiligen Georg ist am Brunnen nicht mehr zu sehen. Aufgrund von Vandalismus wurde sie in den späten siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch eine Kopie aus Kunststein (eingefärbter Beton) ersetzt. Hinter den, bereits genannten, roten Sandsteinelementen (mit weißer Bänderung) befindet sich ein Brunnenbecken aus Stahlbeton.

Der Restaurierungsbedarf am St. Georgsbrunnen zeigte sich dem entsprechend nicht ausschließlich an den Außenseiten der Sandsteinelemente, sondern bedurfte komplexerer Maßnahmen, die auch die Beckenschale, das Umfeld des Brunnens sowie die Zu- und Ableitungen des Brunnens betrafen. Da die Stahlbetonschale des Beckens sowie die Leitungen als altersbedingt, stark geschädigt angesehen werden mussten, kam für den kompletten Unterbau nur ein vollständiger Abbruch und der aufwändige Neuaufbau in drei Bauetappen infrage. Aufgrund der Ausmaße der Bauarbeiten sollte in diesem Zuge auch die vollständige Aufnahme, die Einlagerung und die spätere, fachgerechte Neuverlegung der umgebenden Pflastersteine erfolgen.

Für die Konservierung und Restaurierung der Natursteinelemente wurde zunächst eine intensive Reinigung von Krusten, Verunreinigungen, biogenen Aufwüchsen und vor allem den hartnäckig aufsitzenden Kalksinterschichten nötig. Eine Steinfestigung sowie eine Riss- und Schalenbehandlung schlossen sich direkt an. Größere Schäden am Material konnten durch kunstvoll ausgeführte Steinergänzungen und den Einbau von Vierungen und Neuteilen behoben werden. Besonders hervorzuheben ist dabei die Fertigung massiver und großformatiger Bodenplatten aus Sandstein. Zur aufwändigen Remontage der einzelnen Brunnenlemente nach Abschluss der Arbeiten gehörte auch die mehrfache statische Sicherung der Natursteinteile.

Zusammenfassend stellt der St. Georgsbrunnen in Friedberg ein weiteres Nüthen-Projekt dar, bei dem sich unter der liebevoll restaurierten Natursteinhülle ein weit vielschichtigeres Zusammenspiel von handwerklicher Weitsicht und Präzision mit modernster Bautechnik „verbirgt“.

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