Peterskirche, Erfurt

Natursteinrestaurierung

Zeuge der Romanik und Schmuckstück der BUGA 2021

Die Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul auf dem Erfurter Petersberg kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die dreischiffige Pfeilerbasilika wird, trotz massiver Substanzverluste und Umbauten über die Jahrhunderte, bis heute als ältester erhaltener romanischer Großbau Thüringens bezeichnet. Für die Bundesgartenschau, die 2021 in Erfurt stattfinden wird, soll die Kirche aufwendig restauriert werden.

Hoch über der Stadt thront der massive Kirchenbau, der durch sein schlicht erscheinendes Äußeres auf den ersten Blick wenig von seiner bauhistorischen Bedeutsamkeit verrät. Über das tatsächliche Alter der Kirche entbrannten immer wieder Kontroversen.[1] Als quellenmäßig gesichert gilt an dieser Stelle das Bestehen eines Kanonikerstifts seit dem Frühmittelalter. Die Geschichte der Kirche in ihrer heutigen Form begann dann um 1060, als die Benediktiner den Ort für eines ihrer Kloster in Anspruch nahmen und ab ca. 1103 eine Basilika aus, teilweise bis heute erhaltenen, Quadersteinen errichteten. Sowohl innerhalb der Stadt, als auch über die Region hinaus erlangte das Kloster bald einiges an Bedeutung und erlebte immer wieder wesentliche Umbauten. Auch lassen sich die Ereignisse der weltlichen Geschichte an der Bauhistorie der Kirche stets ablesen.

Das Kloster und die Kirche wurden, beispielsweise, bereits während des Dreißigjährigen Krieges durch die Schweden geschlossen, welche die strategisch günstige Position über der Stadt einer militärischen Nutzung zuführen wollten. Weitere Nutzungen in diesem Sinne erfolgten durch den Festungsausbau durch das Erzbistums Mainz im 17. und frühen 18. Jahrhundert sowie die Übernahme des Petersberges durch Franzosen und Preußen im 19. Jahrhundert. Das Kloster wurde nach schweren Beschädigungen im Kampf gegen die napoleonischen Truppen schließlich vollständig geschliffen (1814-1820). Auch die Kirche wurde in diesem Zuge erneut baulich umgestaltet und schließlich profanisiert. Für ihre Nutzung als Lagerhaus wurden die Obergaden und die Türme an der Ostseite bis auf die Höhe des Kirchenschiffs abgetragen.

So schmerzhaft die Verluste der Bausubstanz aus kunsthistorischer Sicht sein mögen, so viel erzählen alle hinterbliebenen Spuren am Gebäude von den überdauerten Jahrhunderten. Entsprechend sensibel gestaltete sich auch das restauratorische und konservatorische Konzept, welches durch Nüthen Restaurierungen verfolgt wurde. Es galt nicht, einen erträumten „romanischen Urzustand“ wiederherzustellen, sondern die wechselhafte Geschichte des Sakralbaus in all ihren Phasen für die Nachwelt zu erhalten und optisch aufzuwerten. Nach Musterachsen an der Ostfassade widmete sich unser Unternehmen nun bereits in zwei Bauabschnitten auch den Süd- und Nordfassaden der Kirche. Je nach Alter, Oberflächenbeschaffenheit und Materialien der verschiedenen Partien des Gebäudes wurde der Maßnahmenkatalog angepasst. Exemplarisch für dieses individualisierte Vorgehen stehen die unterschiedlichen Reinigungsverfahren, die an der Peterskirche zum Einsatz kamen. Neben manueller Reinigung, der Reinigung im Wirbelstrahlverfahren und partieller Anwendung chemischer Verfahren (Graffitientfernung) stand hier vor allem die Laserreinigung großer Teile der Fassadenflächen im Vordergrund. Durch die jahrelange Expertise unserer Mitarbeiter/-innen vor Ort und modernster Lasertechnik konnten die schwarzen Verfärbungen auf den Sandsteinoberflächen entfernt werden, ohne dabei das darunter liegende Material zu gefährden. Auch wertvolle Malereien und in die Kirchenwand eingeritzte Bildwerke konnten so bewahrt und wieder sichtbar gemacht werden.

Diese Umsicht und der Blick für das Detail bauhistorischer Epochen wurden auch auf die umfangreichen Naturstein- und Rekonstruktionsarbeiten, das Sichern historischer Mörtel, die Fassung einzelner Architekturgliederungen, die Retusche sowie die statisch-konstruktive Sicherung übertragen. Nach Abschluss aller Arbeiten werden die Bürger der Stadt Erfurt und die Besucher aus aller Welt die Peterskirche und ihre reiche Geschichte neu entdecken können. Die Zeugnisse der Vergangenheit, welche sich so lange hinter dunklen Krusten und der wuchtigen Schlichtheit versteckt haben, werden wieder sichtbar. Die historische Bedeutung des Sakralbaus über der Altstadt Erfurts wird dann in dem Maße erfahrbar, wie sie es verdient.

 

[1] Vgl. Hopf, Udo: Die Bau und Nutzungsgeschichte der Klosterkirche – Forschungsüberblick und neue Erkenntnisse, in Helmut-Eberhard Paulus/Franz Nagel (Hrsg.): Die Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt: neue Forschungen zu den Wandmalereien und zur Baugeschichte, Petersberg 2015, S. 12-24

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