Kaiser- und Mariendom, Speyer

Restaurierung Raumschale/Einzelbildwerke

Die Vorhalle des Dom zu Speyer wieder zum Leuchten bringen

Der im 11. Jahrhundert begonnene, monumentale Sakralbau sollte schon zeitgenössisch das Ziel verfolgen, die größte Kirche des Abendlandes zu errichten. Seit 1981 ist das Gebäude offiziell Teil der UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Der Kaiser- und Mariendom zu Speyer (offizielle Bezeichnung: Domkirche St. Maria und St. Stephan) gilt aber heute nicht nur als der größte, romanische Sakralbau der Welt. An ihm lassen sich auch zahlreiche Impulse für die Entwicklung der Kirchenarchitektur in ganz Europa nachvollziehen. Immer wieder wurden durch kriegerische Zerstörungen Neu- und Anbauten nötig, die dem Dom zu seiner heutigen (Viel-)Gestalt verhalfen. Neben seinen religiösen Funktionen, stellt der Speyerer Dom aber auch den monumentalen Mittelpunkt der weltlichen Erinnerung an das Kaisertum seit der Zeit der Salier dar.

Dies zeigt sich vor allem in der prunkvollen Gestaltung der Vorhalle im neuromansichen, westlichen Querhaus. Aufgrund ihrer Funktion als „Halbraum“ zwischen der Außenwelt und dem Kircheninneren wurde die Vorhalle wohl auch kunsthistorisch bisher eher vernachlässigend behandelt.[1] Dabei zeigt sich hier eine prunkvolle, vielfältige und über die Zeit, immer wieder erweiterte Gestaltung, welche eine größere Würdigung mehr als rechtfertigt. Konzentriert wird hier noch vor dem Eintritt in das Gotteshaus selbst (und dennoch im sakralen Raum) das weltliche Kaisertum inszeniert. Es finden sich neben den reichen Profilierungen der Architekturgliederungen vor allem Bildwerke, die Referenzen auf die Erbauer des Doms sowie andere historische Figuren liefern. Von den, in verschiedenen Sandsteinvarietäten gestalteten, Vorsatzschalen über das Zierwerk bis hin zu den, teils farblich gefassten, Ziegelgewölbedecken zeigt die Raumschale der Vorhalle eine Pracht, die aufgrund des Zustands der äußerlich sichtbaren Bausubstanz und eines suboptimalen Belichtungskonzepts bisher zu wenig zur Geltung kam. Die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten, welche Nüthen Restaurierungen in der Vorhalle des Doms vornahm, sollten daher auch der Wiederherstellung einer Raumwirkung dienen, welche bisher unter der Patina der Zeit verborgen geblieben war, ohne diese völlig zu tilgen.

Ziel der konservierenden Arbeiten war es daher, den aktuellen Zustand der Bausubstanz durch ein fachgerechte und teils mehrstufige Reinigung vollständig sichtbar zu machen und ästhetisch aufzuwerten. Des Weiteren sollten gefährdete Flächen und Untergründe, vor deren weiterer Behandlung, geschützt und gesichert werden. Schließlich waren Rückstände aus den Werksteinen und dem Bildwerk zu entfernen, die als optisch unansprechend, substanzgefährdend oder baulich desolat beurteilt werden konnten.

Die restauratorischen Maßnahmen hatten darüber hinaus zum Ziel, das historische Erscheinungsbild nicht zu überformen, sondern bestmöglich nachzuempfinden. Die nachhaltige Bewahrung stand hierbei stets im Vordergrund. Wo dies möglich war, sollte durch antragende Verfahren alter Bestand gefestigt und im historischen Zustand rekonstruiert werden. Letzteres traf vor allem für die Gestaltung der reichen Profilierungen und kunstvoll gestalteten Bildwerke zu.  Schlussendlich sollte die ursprüngliche, optische Gesamtwirkung der Vorhalle im westlichen Querhaus des Doms wieder so hergestellt werden, dass sie deren repräsentativen und darstellenden Ansprüchen wieder gerecht würde. Gleichzeitig sollte diese Wirkung nachhaltig und professionell für die Zukunft bewahrt werden.

 

[1] Vgl.: Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Band: Rheinland-Pfalz/Saarland, Berlin/München 1972, S. 831-840.

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