Historische Treppe am Bahnhof, Gießen

Konservierung und Restaurierung Naturstein

Das im klassizistischen Stil errichtete Bauwerk und sein Unterbau wiesen  einen derart desolaten Zustand auf, dass nicht nur umgehende, sondern auch umfassende Maßnahmen zu dessen Konservierung und Restaurierung notwendig wurden. Und so präsentierte sich das Projekt der Historischen Treppe am Gießener Hauptbahnhof als eines, bei dem alle Register der Steinmetzkunst gezogen werden konnten und das klassische Handwerk eine ideale Symbiose mit der modernsten Restaurierungstechnik einging.

Da die Schäden an den Treppenstufen aus Granit sowie an den sandsteinernen Brüstungen und Postamenten ein Ausmaß angenommen hatten, welches eine Instandsetzung vor Ort als nicht praktikabel erscheinen ließ, wurde die gesamte Treppe zunächst in Einzelteilen abgebaut und in die Werkstätten von Nüthen Restaurierungen nach Erfurt transportiert. Lediglich das Natursteinmauerwerk an der Front der Treppe verblieb vor Ort und wurde dort den im Folgenden geschilderten Restaurierungsmaßnahmen unterzogen.

Nach einer eingehenden Schadsalzuntersuchung und der Abnahme von Musterflächen für die Reinigung wurde einerseits eine intensive Kompressentsalzung der Sandsteinelemente der Treppe in Angriff genommen und andererseits ein Reinigungskonzept verwirklicht, bei dem sich die Verfahren der Heißdampf-, Mikropartikelstrahl- und der modernsten Laserreinignugsverfahren optimal ergänzten. Zusätzlich wurde eine effektive Steinfestigung auf Kieselsolbasis durchgeführt.

Anschließend konnten Bruchstücke und Risse verklebt, sowie mit geeigneten Armierungen versehen werden. Auch eine Vielzahl von Anböschungen und Schalensicherungen wurde durchgeführt. Mineralische Formergänzungen sowie das fachgerechte Herstellen und Einbauen von Vierungen und Neuteilen forderten routinierte Kunstfertigkeit in der steinmetzmäßigen Ausführung. Für eine Anpassung und Homogenisierung des Oberflächenbildes, wurden gezielt farbige Retuschen vorgenommen.

Inzwischen war auch der Unterbau der Treppe für den Wiederaufbau vorbereitet worden. Das Bruchsteinfundament und das Ziegelmauerwerk, was den Granitstufen und Sandsteinelementen als Auflager diente, wurde teilweise vollständig abgebrochen und stabilisierend neu aufgebaut. Für das Zwischenpodest der Treppe wurde eine geeignete Platte aus Stahlbeton gegossen. Nun war es an der Zeit, die konservierten und restaurierten Elemente der Treppe zurück an ihren Ursprungsort zu transportieren und sie wieder fest auf ihrem erneuerten Fundament zu montieren. Mit der fachgerechten Neuverbleiung der Halterungen und anderer Eisenteile konnte ein Denkmalschutzprojekt mit ganz besonderem Anspruch und Reiz abgeschlossen werden.

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